Coplas Sefardies

Die Coplas Sefardies von Alberto Hemsi

Erste CD-Einspielung vergessener Meisterwerke auf Ladino
Ein Kooperationsprojekt des EZJM und Kantor Assaf Levitin


„…  Ich stand an der Türschwelle einer wunderbaren Höhle, wie die von Ali Baba, die mir die Gelegenheit angeboten hat, alles was dort stand zu entdecken ... Ich habe mich nicht nur auf die Musik und die Poesie konzentriert, denn die Folklore eines Volkes ist eine ganze Welt, und ich war entschlossen, alles über die Folklore meines Volkes zu wissen”.
Alberto Hemsi, Coplas Sefardies, 1973

Ein halbes Jahrtausend lebten die sephardischen Juden im osmanischen Reich, im Balkan und im gesamten Mittelmeerraum, wo sich eine einzigartige musikalische Kultur des Ladino (Judeo-Spanisch, die Sprache der Sefardim) herausbildete. Unzählige Volkslieder, die von der Liebe, den jüdischen Feiertagen, von Volkserzählungen und verschiedenen Lebensereignissen handeln, wurden von Generation zur Generation weitergegeben. Bis zum Ersten Weltkrieg schien diese Kultur auf eine ununterbrochene Tradition zurückblicken zu können. Jedoch wurde diese nach dem Fall des osmanischen Reichs schnell vergessen. Zu eben jener Zeit schloss der junge jüdische Komponist Alberto Hemsi sein Kompositionsstudium in Mailand ab, welcher sich der Dokumentation der musikalischen Kultur der Sephardim widmete, und deren alte Melodien in seinen eigenen Kompositionen verarbeitete. Sein Opus Magnum sind die Coplas Sefardies, insgesamt 60 traditionelle Lieder mit besonders virtuoser Klavierbegleitung.

Bis heute gibt es keine Gesamtaufnahme der Coplas Sefardies. Dies hat sich der Sänger Assaf Levitin, Kantor der liberalen jüdischen Gemeinde in Hannover, dessen Masterarbeit von Alberto Hemsis liturgischer Musik handelt, vorgenommen. In Zusammenarbeit mit dem Europäischen Zentrum für Jüdische Musik wird zu Alberto Hemsis 120. Geburtsjubiläum im Jahr 2018 die erste CD aus der Gesamteinspielung erscheinen. Zwei weitere CDs, die weitere liturgische Werke des Komponisten beinhalten, werden folgen.


Die Künstler:

KANTOR ASSAF LEVITIN, Gesang

Seit dem 01.12.2016 ist Assaf Levitin Kantor der Liberalen jüdischen Gemeinde Hannover K.d.ö.R. Der in Israel geborene Bassbariton ist sowohl als Konzert- und Opernsänger wie auch als Komponist, Arrangeur, Dirigent, Lehrer und Kantor tätig. Nach Abschluss seines Diplomstudiums an der HMT Saarbrücken führten ihn Engagements nach Zürich, Basel, Bonn, an die Deutsche Staatsoper Berlin, nach Mannheim und Dortmund (Ensemblemitglied  2002–2005) mit Opernpartien wie Mozarts Figaro, Colline, Gremin und  Masetto.

2016 absolvierte er das Kantorenseminar am Abraham Geiger Kolleg an der Universität Potsdam. Seine Masterarbeit, die er über die liturgische Musik von Alberto Hemsi schrieb, wird im Verlag der Universität Weimar veröffentlicht. Im Rahmen seiner Ausbildung gestaltete er verschiedene Konzerte und Liturgien – als Sänger wie auch als Kantor – in Berlin, Paris, Warschau, Breslau, Kiew, Basel, Schwerin, Rostock und in vielen anderen Gemeinden. Seit 2014 tritt er im Rahmen des Kulturprogramms des Zentralrats der Juden in Deutschland mit dem von ihm gegründeten Ensemble Die Drei Kantoren auf, dessen zweite CD kürzlich erschienen ist.

Seine Aufnahme des Mainzer Nussach (Mainz, 2004) gilt bei Experten als eine Referenzaufnahme des süddeutschen Nussachs und wird in Fachkreisen immer wieder zitiert. Andere CD-Aufnahmen präsentieren Werke von jüdischen und israelischen Komponisten wie Arnold Schönberg und Noa Blass sowie klassische und zeitgenössische Musik. 2016 tourte er mit dem Projekt Mekomot (Orte) durch alte Synagogen in Deutschland und Polen und hat neben klassischer Chazzanut fünf Uraufführungen präsentiert.

NAAMAN WAGNER, Pianist

Der israelische Pianist wurde 1984 geboren. Seit 1998 gibt er Konzerte als Solopianist sowie mit verschiedenen Kammermusik-Ensembles in Europa und Israel. So trat er als Solist mit dem Jerusalem Symphony Orchestra und als Improvisator beim Israel Philharmonic Orchestra auf. Seit 2000 spielt er beim jährlich stattfindenden Kfar Blum Festival und hatte außerdem Auftritte beim Israel Festival (2005) und Abu Gosh Festival (2005 und 2008).

Er besuchte Meisterklassen beim Goslar Festival in Deutschland (2006 und 2007), in Perugia (Italien), wo er 2007 mit dem Perugia Symphony Orchestra auftrat, sowie 2008 in Tel Hai (Israel), wo er bei Dimitri Bashkirov studierte.

2006 schloss er an der Jerusalem Music Academy den Studiengang Dirigieren bei Prof. Evgeny Zirlin und 2008 sein Klavierstudium bei Prof. Eitan Globerson mit dem Bachelor of Music ab. Während seines Studiums gewann er mehrere Preise für Solo- und Kammermusikauftritte. Seitdem hat er sein Studium in Deutschland fortgesetzt. Im Juni 2011 hat er sein Diplom bei Professor Arie Vardi an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover absolviert.

Von 2001 bis 2008 wurde Naaman Wagner von der Israel American Culture Foundation mit alljährlichen Stipendien für Komposition und für Klavier ausgezeichnet. Heute lebt er in Berlin, spielt im Calaf Trio und tritt auch in Israel als Solist und Kammermusiker regelmäßig auf, unter anderem mit den Israel Contemporary Players unter der Leitung von Zsolt Nagy.

(Text: Assaf Levitin)

 

Ansprechpartnerin

Prof. Dr. Sarah M. Ross
Direktorin des EZJM
T. +49-(0)511-844887-101
E-Mail: Prof. Dr. Sarah M. Ross

Zuletzt bearbeitet: 24.05.2017

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