Buchprojekt Jüdische Musik

Buchprojekt: „Jüdische Musik“

(UTB-Lehrbuchreihe „Jüdische Studien“; gemeinsam mit Heidy Zimmermann)

Der Fachbereich „Jüdische Musik“ fällt in der deutschsprachigen Forschung nach wie vor zwischen die disziplinären Grenzen von historischer Musikwissenschaft und Musikethnologie. Gleichzeitig ist das Thema „Musik“ in den jüdischen Studien, wie auch in den Kulturwissenschaften, ein eher marginales, obwohl Musik zweifellos ein unabdingbarer Bestandteil jüdischer Kultur ist. Ältere Gesamtdarstellungen von Autoren wie Peter Gradenwitz (Die Musikgeschichte Israels. Von den biblischen Anfängen bis zum modernen Staat, Kassel 1961) oder Max Brod und Yehuda Walter Cohen (Die Musik Israels, Kassel etc. 1976) sind stark ideologisch geprägt und können kritischer Reflexion nicht standhalten. Ein handbuchartiger Überblick über das Thema, wie er im Amerikanischen (mit entsprechender Gewichtung der Themen) mehrfach vorliegt, steht in deutscher Sprache bisher aus.

Unser Versuch einer Darstellung und Reflexion jüdischer Musik würde weniger den Anspruch einer Gesamtdarstellung erheben als vielmehr darauf abzielen, wichtige historische Stationen und Entwicklungen aufzuzeigen und diese mit Beispielen zu veranschaulichen, sowie mit weiterführenden Hinweisen zu verankern. Dabei geht es selbstverständlich um die Vermittlung eines Gerüstes von Fakten und Sachverhalten auf dem aktuellen Stand der Forschung, doch würden immer wieder auch Reflexionen eingeschaltet, die altgediente Stereotype hinterfragen und kontroverse Themen als solche darstellen. Denn wenn man „jüdische Musik“ nicht allein auf volksmusikalische Traditionen reduzieren will, aber auch nicht bereit ist, jeden Musiker jüdischer Herkunft als Komponisten (oder gar Interpreten) jüdischer Musik zu apostrophieren, kommt man nicht umhin, die Kriterien der Abgrenzung offenzulegen und vor allem im Bereich der Kunstmusik auch die Rezeptionsgeschichte einzubeziehen. Denn „jüdische Aspekte“ etwa im Werk eines Felix Mendelssohn oder Gustav Mahler sollten nicht affirmativ perpetuiert, sondern im Licht der bis heute kontroversen Rezeption betrachtet werden.

 

Ansprechpartnerin

Prof. Dr. Sarah M. Ross
Direktorin des EZJM
T. +49-(0)511-844887-101
E-Mail: Prof. Dr. Sarah M. Ross

Zuletzt bearbeitet: 06.06.2016

Zum Seitenanfang