Abraham Zvi Idelsohn

Abraham Zvi Idelsohn

Unsere neue Serie „Biographie des Monats“ soll mit Abraham Zvi Idelsohn (1882–1938) beginnen –  dem „Vater“ der jüdischen Musikstudien. Idelsohns 1929 veröffentlichtes Buch Jewish Music in Its Historical Development hat mehrfach Neuauflagen erfahren und gilt bis heute als Standardwerk zum Thema jüdische Musik.

Band V von Yuval – Studies of the Jewish Music Research Centre aus dem Jahr 1986 ist ihm gewidmet als The Abraham Zvi Idelsohn Memorial Volume. Der Band enthält u. a. zwei autobiographische Skizzen Idelsohns, kommentierte Bibliographien seiner Schriften und Werke und eine Würdigung als "Pioneer in Jewish Ethnomusicology" durch die deutsch-israelische Musikwissenschaftlerin Edith Gerson-Kiwi. Ein Katalog seines Nachlasses, der in Jersualem verwahrt wird, ist bereits 1976 in Band IV der Yuval Monograph Series erschienen.

Idelsohn, in Lettland aufgewachsen, ließ sich in kantoralem Gesang und in klassischer Musik ausbilden. Seine „Wanderjahre“ führten ihn von Libau nach Königsberg und London und später nach Berlin, Augsburg, Leipzig, Regensburg und Johannesburg. Zwischen 1906 und 1921 lebte er hauptsächlich in Jerusalem. Hier begann er seine wegweisenden musikethnologischen Studien: Er dokumentierte und untersuchte die Gesänge der aus verschiedenen Regionen stammenden jüdischen Gemeinschaften in Jerusalem und Umgebung. Mit der damaligen neuen Technik, dem Phonographen, zeichnete er die Gesänge auf – ein Teil dieser Aufnahmen ist in Series 9 der Tondokumente aus dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften veröffentlicht. Aus diesen Studien gingen die ersten Bände seines insgesamt 10-bändigen grundlegenden Werkes Hebräisch-orientalischer Melodienschatz (veröffentlicht zwischen 1914 und 1932) hervor; die ersten beiden Bände geben die Gesänge der jemenitischen und der babylonischen Juden wieder. Idelsohn war der erste Forscher, der sich den mündlich überlieferten musikalischen Traditionen der orientalischen jüdischen Gemeinden widmete, die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten dieser Traditionen erfasste und dabei auch die Aussprache des Hebräischen untersuchte.

Nach einem Zwischenstopp in Deutschland und Vortragsreisen durch die USA ließ sich Idelsohn in den 1920er Jahren in Cincinnati nieder. Am dortigen Hebrew Union College katalogisierte er die Birnbaum Collection, eine bedeutende Sammlung zur jüdischen Musik, und führte seine Studien als Professor für Hebräisch und Liturgie und für Jüdische Musik fort. In dieser Zeit entstand auch sein Buch Jewish Liturgy and Its Development. Seit 1929 zunehmend gesundheitlich eingeschränkt, starb er 1938 in Johannesburg.

Von Idelsohns musikalischen Werken finden sich in der EZJM-Bibliothek

  • die seinen Eltern gewidmeten Synagogale[n] Gesänge für Cantor und Chor, Heft 1 (im hebräischen Titel hat Idelsohn seinen Nachnamen – wie in seiner Jerusalemer Zeit mehrfach – als Ben Jehuda wiedergegeben),
  • „Sefer HaSchirim“, eine „Sammlung hebräischer Lieder für Kindergärten, Volks- und höhere Schulen“, 1912 vom Hilfsverein der Deutschen Juden herausgegeben (die Noten sind hier – zusammen mit dem hebräischen Text – von rechts nach links geschrieben; Idelsohn wird auf der hebräischen Titelseite als Musiklehrer der Schulen des Hilfsvereins in Jerusalem bezeichnet, und seinem Namen ist in Klammern wieder der Name Ben Jehuda beigefügt),
  • die 1951 posthum erschienene, dritte und erweiterte Ausgabe seines „Sefer Schirat Jisrael“: The Jewish Song Book for Synagogue, School and Home, covering the complete Jewish religious year.

In seiner autobiographischen Skizze My Life fasst Idelsohn seine Erkenntnisse zur jüdischen Musik zusammen und schreibt u. a.: "The Jewish song is an amalgamation of non-Jewish and Jewish elements, and despite the former, the Jewish elements are found in all traditions [...]. Jewish song is a folk-art, created by the people."

Susanne Borchers (2014)

 

Idelsohns Sefer HaSchirim von 1912. Signatur in der EZJM-Bibliothek: C1 3 Ide
 

Bibliographische Angaben

Jewish music in its historical development.
New York: Holt 1929
Signatur: A1 1 Ide (3)

Yuval Vol. V:
The Abraham Zvi Idelsohn Memorial Volume.
Jerusalem: The Magnes Press, The Hebrew University 1986
Signatur: A20 Yuv-5

Israel Adler / Judith Cohen:
A. Z. Idelsohn Archives at the Jewish National and University Library. Catalogue.
Jerusalem: The Magnes Press, the Hebrew University 1976
(Yuval Monograph Series IV)
Signatur: A0 Ide

Tondokumente aus dem Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften. Gesamtausgabe der Historischen Bestände 1899–1950.
Series 9: The Collection of Abraham Zvi Idelsohn (1911–1913).
Wien: Verlag der Österr. Akad. der Wiss. 2005
Signatur: T1 1 Ide-1 bis Ide-3

Phonographierte Gesänge und Aussprachsproben des Hebräischen der jemenitischen, persischen und syrischen Juden.
Wien: Hölder 1917
Signatur: A3 5 Ide

Hebräisch-orientalischer Melodienschatz.
10 Bände.
Leipzig: Breitkopf & Härtel 1914–1932
(Teilw. im Verl. Harz, Berlin [u.a.], oder Hofmeister, Leipzig, erschienen)
Signatur: C1 1 Ide-1 bis Ide-10

Jewish Liturgy and Its Development.
New York: Holt 1932
Signatur: D1 5 Ide

Synagogale Gesänge für Cantor und Chor.
Heft 1.
Berlin: Poppelauer [1910]
Signatur: Rara 2009

Sefer HaSchirim.
Sammlung hebräischer Lieder für Kindergärten, Volks- und höhere Schulen.
Berlin und Jerusalem: Hilfsverein der Deutschen Juden 1912
[Die Liedersammlung ist in mehreren Ausgaben erschienen; diese Ausgabe umfasst nur hebräische Lieder und hat eine hebräische Titelseite, ein deutsches Vorwort von James Simon und P. Nathan vom Hilfsverein sowie ein hebräisches Vorwort von Idelsohn. Vgl. Shlomo Hofman: A. Z. Idelsohn's Music: A Bibliography (Hebr.), in: Yuval 5 (1986), S. 32f. des hebr. Teils.]
Signatur: C1 3 Ide

Sefer Schirat Jisrael.
The Jewish Song Book for Synagogue, School and Home,
covering the complete religious year.
3. ed., enlarged and rev.
Cincinnati: Publ. for Judaism 1951
Signatur: C1 1 Ide (2)

Zuletzt bearbeitet: 29.03.2022

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