EUROPÄISCHES ZENTRUM FÜR JÜDISCHE MUSIK
Kompetenz in jüdischer Gegenwartsforschung
Das Europäische Zentrum für Jüdische Musik (EZJM) hat sich seit 2015 unter der Leitung von Prof. Dr. Sarah Ross zu einem international anerkannten Forschungs- und Lehrzentrum entwickelt.
Es verbindet die Themen jüdische Musik, jüdisches Kulturerbe und jüdische Gegenwartsforschung in einzigartiger Form. Dabei etabliert es die innovativen Ansätze der Critical Jewish Heritage Studies und zeichnet sich durch eine hohe Expertise in der empirischen Erforschung gegenwärtigen jüdischen Lebens aus.
Musik und Kultur als Schlüssel zur Gegenwart
Das EZJM untersucht heutiges jüdisches Leben in Deutschland, Europa und Israel auf Grundlage der Musik und des lebendigen Kulturerbes. Musik und kulturelle Praktiken stellen unmittelbare Ausdruckformen des jüdischen Lebens dar. Sie bieten einen direkten Zugang zu jüdischen Wahrnehmungen aktueller gesellschaftlicher, politischer, religiöser und kultureller Entwicklungen. Das EZJM nutzt für seine Forschungen musik-, kultur- und sozialanthropologische Methoden:
- Binnenperspektiven sichtbar machen: Divergierende jüdische Erfahrungen und Sichtweisen stehen im Mittelpunkt, nicht nur – aber auch – die Aufarbeitung historischer Quellen.
- Gegenwart empirisch erforschen: Durch qualitative Sozialforschung, Langzeitstudien und ethnologische Feldforschung erfasst das EZJM, wie jüdisches Leben heute gelebt, gestaltet und weiterentwickelt wird.
- Lebendige Praxis dokumentieren: Musik und Kulturerbe werden nicht als museale Objekte betrachtet, sondern als dynamische, sich wandelnde Ausdrucksformen jüdischer Identität und Gemeinschaft.
- Wissensdefizite abbauen: Die Forschung am EZJM trägt dazu bei, fundiertes Wissen über zeitgenössisches jüdisches Leben zu generieren – als Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und politische Gestaltung.
Jüdische Musik in all ihren Erscheinungsformen
Als Teilbereich der musikwissenschaftlichen Forschung und Lehre an der HMTMH erforscht das EZJM jüdische Musik in all ihren Erscheinungsformen - vom synagogalen Gesang über paraliturgische bis hin zu säkularen Musiktraditionen von Jüdinnen und Juden in verschiedenen kulturellen Kontexten.
Diese thematische Vielfalt spiegelt sich wider in:
- wissenschaftlichen Tagungen mit Gegenwartsbezug
- zwei Publikationsreihen: Jüdische Musikstudien (Peter Lang) und Jüdische Gegenwart (De Gruyter)
- der digitalen Forschungsdatenbank www.soundscape-synagoge.de
- der Erschließung und Erforschung bedeutender Sammlungen, darunter die Nachlässe von Edith Gerson-Kiwi und Peter Ury.
DFG-Schwerpunktprogramm "Jüdisches Kulturerbe" (SPP 2357): Gegenwart im Fokus
Seit April 2022 leitet Prof. Dr. Sarah Ross das DFG-Schwerpunktprogramm "Jüdisches Kulturerbe" (Fördervolumen: 11 Millionen EUR, Laufzeit: 2022-2028). Dieses Programm markiert einen Wendepunkt in der deutschen Forschungslandschaft und verbindet erstmals systematisch Critical Heritage Studies mit jüdischer Gegenwartsforschung.
Im Zentrum steht die übergeordnete Frage, wie jüdisches Kulturerbe heute konstruiert, autorisiert und verhandelt wird.
Internationale Vernetzung
Das EZJM pflegt enge Kooperationen mit führenden internationalen Institutionen:
- Jewish Music Research Centre, Hebrew University of Jerusalem (Israel)
- Tel Aviv University (Israel)
- Center for Critical Heritage Studies, Universität Göteborg (Schweden)
- University of Leeds (England)
- Universität Amsterdam (Niederlande)
- Georgetown University, Washington (USA)
- Concordia University, Montréal (Kanada)
In der Kooperation mit den Universitäten Leeds, Amsterdam und Tel Aviv befindet sich derzeit ein internationales Doktorand*innen-Netzwerk in der Planung, das empirisch-kritische Forschung zum gegenwärtigen jüdischen Leben vereint und explizit nach dem kulturellen wie sozial-politischen Stellenwert jüdischen Erbes nach dem 7. Oktober 2023 fragt.
Wissenschaftliche Infrastruktur: Spezialbibliothek und Sammlungen
Die Bibliothek des EZJM (seit Sommer 2023 im Raum „Judaica“ der neuen HMTMH-Bibliothek, Leisewitzstraße 39) ist Teil der Bibliothek der HMTMH.
Der Sammelschwerpunkt umfasst:
- jüdische Musik, insbesondere Synagogalmusik
- Jüdische Studien und Ethnologie
- Critical Heritage Studies und kulturelle Nachhaltigkeit
- die Sammlung Andor Izsák mit dem Nachlass Edith Gerson-Kiwi und der Sammlung Oberkantor Nathan Saretzki
- den Nachlass des deutsch-jüdischen Komponisten Peter Ury.
Hochschullehre: Gegenwart verstehen und gestalten lernen
Seit 2016 können Studierende an der HMTMH Jüdische Musikstudien als Schwerpunkt- und Ergänzungsfach im Masterstudiengang "Musikwissenschaft und Musikvermittlung" studieren. Vier Aspekte stehen hierbei im Zentrum:
- die Verbindung von historischem Wissen mit gegenwartsbezogener Analyse
- die Vermittlung empirischer Forschungsmethoden (Ethnografie, qualitative Interviews, Feldforschung)
- die Befähigung zur Arbeit mit lebendigen kulturellen Praktiken
- die Vorbereitung auf Tätigkeiten in den Bereichen Kultur, Bildung und angewandte Forschung.
Im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Jüdisches Kulturerbe" werden ortsübergreifende Lehrkooperationen gepflegt, etwa mit der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd und der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg.
Third Mission: Wissenschaft trifft Öffentlichkeit
Das EZJM vermittelt seine Forschungsergebnisse regelmäßig an ein breites Publikum. Z. B. finden in Kooperation mit der Villa Seligmann Konzerte und Salongespräche statt, die wissenschaftliche Inhalte mit künstlerischen Darbietungen verbinden und aktuelle Themen aufgreifen:
- Geistliche Musik des deutschen Judentums im Wandel der Zeit (2022)
- „Der Judaskuss ist meine Obsession“: Ein Porträt des deutsch-jüdischen Komponisten Peter Ury (2023)
- Goldene Zeiten: Erneuerungen in der orthodoxen Welt durch Musik im digitalen Zeitalter (2024)
Diese und andere Veranstaltungen machen hör- und erlebbar, wie jüdisches Leben heute klingt, sich ausdrückt und entwickelt.
Gesellschaftliche Relevanz
Das EZJM mit seiner Expertise in jüdischer Gegenwartsforschung verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit gesellschaftlicher Relevanz und begreift jüdisches Kulturerbe als lebendige, sich wandelnde Ressource für Gegenwart und Zukunft.
Durch den einzigartigen Zugang über Musik und kulturelle Praktiken trägt das EZJM dazu bei, jüdisches Leben heute sichtbar, hörbar und verstehbar zu machen.
Kontakt
Europäisches Zentrum für Jüdische Musik
Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover
Neues Haus 1
30175 Hannover
T. +49-(0)511-3100-7121
Kontakt: EZJM
Zuletzt bearbeitet: 17.03.2026
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