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Yuval Award

Die "Cantors Assembly" hat Professor Andor Izsák mit dem Yuval Award für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Überreicht wurde die Auszeichnung von Cantor Jack Chomsky, Präsident der "Cantors Assembly", bei einem Konzert für geladenene Gäste in der Villa Seligmann am 27. Juni 2012.

Das Konzert gestalteten Vertreterinnen und Vertreter der nordamerikanischen Kantorenvereinigung gemeinsam mit dem Europäischen Synagogalchor.

 

Foto: Anja Reuper


Im Rahmen dieses Konzertes erhielt das Europäische Zentrum für Jüdische Musik auch eine bedeutende Schenkung: Cantor Benjamin Z. Maissner übergab dem Zentrum die Sammlung historischer Schellackplatten aus dem Privatbesitz seines Onkels, des früheren hannoverschen Oberkantors Israel Alter (1901 – 1979). Das EZJM hat diese Aufnahmen in der dreiteiligen "Edition Cantor Israel Alter" neu auf CD veröffentlicht.


Edition Cantor Israel Alter

Mit der Veröffentlichung des 3. Teils im Juni 2012 ist die "Edition Cantor Israel Alter" komplett. Sie präsentiert historische Aufnahmen des großen Oberkantors Israel Alter (1901 – 1979), der zwischen 1925 und 1935 an der Neuen Synagoge in Hannover amtierte.

Vol. 1 Liturgische Gesänge
stellt Israel Alter als Sänger der großen Werke der synagogalen Musikliteratur wie auch als Komponist vor. In den sorgfältig restaurierten Schellack-Aufnahmen ist die Vielfalt seiner Gestaltungsmöglichkeiten bei der Vorstellung liturgischer Gesänge zu erleben.

Vol. 2 Jiddische Lieder
zeigt Israel Alter mit jiddischen Liedern, wie sie nicht in der Synagoge, sondern eher im häuslichen Umfeld erklangen. Hier zeigt sich Israel Alter als subjektiver Sänger weltlicher Musik aus dem Alltag der jüdischen Familie. Zusätzlich finden Sie auf der CD drei Lieder in hebräischer Sprache sowie weitere liturgische Gesänge als Ergänzung zu Vol. 1.

Vol. 3 Opernarien und Lieder
präsentiert Israel Alter als Interpreten der großen Oper und des Kunstliedes. Wie viele große Kantoren sang auch Alter Arien, so zum Beispiel bei Tourneen und in zwei Konzerten in der Carnegie Hall 1930. Ergänzt wird die CD durch ein Interview mit Israel Alter, in dem er auf seine Lebensstationen zurückblickt.

Die Gesamt-Edition ist zum Preis von € 25,- beim EZJM erhältlich,
die einzelnen CDs kosten € 10,-.

Israel Alter (1901 – 1979) wurde in Lemberg (Polen) geboren. Nach Talmud-Studien in Lemberg und Wien trat er im Alter von 20 Jahren seine erste Kantorenstelle am Wiener Brigittenauer Tempel-Verein an. Ab 1925 war er als Oberkantor an der Synagoge in Hannover tätig. In dieser Zeit hatte er bereits zahlreiche Auftritte in Synagogen und Konzerthäusern in Europa. 1929 und 1930 tourte er durch die USA und gab seine ersten beiden Konzerte in der Carnegie Hall. 1935 emigrierte er zunächst nach Südafrika und wurde an der United Hebrew Congregation, der größten Synagoge in Johannesburg, tätig. 1961 zog er in die USA und lehrte an der School of Sacred Music des Hebrew Union College in New York. Israel Alter war für seine herausragende Tenorstimme berühmt und veröffentlichte verschiedene Kompositionen für den synagogalen Gottesdienst sowie jiddische Lieder.

aus dem Booklet-Text zu Vol. 1:
Diese historischen Aufnahmen sind ein Zeugnis für den überragenden Sänger und Komponisten, der hier vor allem Gesänge der Synagoge häufig in eigenen Bearbeitungen sowie eigene Kompositionen vorträgt. [...]
Es handelt sich dabei um alte Schellackplatten, die Israel Alter als ein besonders geschätztes persönliches Gut immer in seiner engsten Nähe aufbewahrte in der Hoffnung, sie eines Tages veröffentlichen zu können. Sie sind zum Teil während seiner hannoverschen Zeit in Deutschland aufgenommen worden. [...]
Auf dieser CD befinden sich Kompositionen, die Israel Alter unter anderem in der Synagoge von Hannover regelmäßig vorgetragen hat, darunter Werke von Louis Lewandowski und Salomon Sulzer. Diese "Klassiker" haben den musikalischen Stil der Liturgie der Synagogen auf der Achse Budapest – Wien – Berlin – Paris bestimmt. Auf dieser CD vorgestellte Stücke wie "Ma towu" und "W´hogen ba´adenu" von Louis Lewandowski und "Adon olam", "Sch´ma Jisra´el" und "L´cho dodi" von Salomon Sulzer bilden das "Standardrepertoire" der großen Synagogen Europas.
Ein anderes Gesicht des großen Oberkantors erkennen wir in seinen Improvisationen und Eigenkompositionen, wie "Ja´aleh tachanunenu" und "S´lichah", die ihn als umjubelten Kantor zeigen, der seine Kenntnisse später auch als hochgeschätzter Dozent für kantorale Musik weitergab. [...]
(Prof. Andor Izsák)

Benjamin Z. Maissner, Neffe von Israel Alter und Kantor und Musikdirektor am Holy Blossom Temple in Toronto, sagt über seinen berühmten Onkel:
"Unter uns wurde er der Erste der Chasanim, der Kantor der Kantoren genannt. Das Einzigartige in Alters Kantorengesang ist die Vielfalt seiner Stile, Klangfarben, seines Ausdrucks und die beständige Gesangslinie mit einem sehr weichen Legato.
Sein ausgeprägtes stilistisches Gespür, das ebenso in der westlichen musikalischen Tradition wie auch im osteuropäischen Kantorengesang beheimatet ist, offenbart ihn als einen einzigartigen und überragenden Kantor. Würde, Frömmigkeit und ein tiefes religiöses Verständnis begründen seine Ausnahmestellung."

Andor der Spielmann

Arno Beyer hat die Lebensgeschichte von Prof. Andor Izsák niedergeschrieben. Die Biografie liegt seit Juni 2012 auch in einer englischen Übersetzung vor und ist über den Buchhandel erhältlich. 

Arno Beyer
ANDOR DER SPIELMANN

Ein jüdisches Musikerleben
Georg Olms Verlag 2011. 279 S. Gebunden.
ISBN 978-3-487-08503-6
€ 19,80

Arno Beyer
ANDOR THE SPIELMANN

A Jewish Live for Music
Translated from German by Joseph Swann.
Georg Olms Verlag 2012. 240 pp. Hardcover.
ISBN 978-3-487-08508-1
€ 19,80 / US $ 29,95

Die Lebensgeschichte, die hier erzählt wird, ist verwoben mit den politischen Wirren und den menschlichen Entwurzelungen des 20. Jahrhunderts. Der Zweite Weltkrieg im deutsch besetzten, den Judenverfolgungen unterworfenen Ungarn prägt die Kindheit, das Reglement der sozialistischen Gesellschaft Jugend und Erwachsenenleben.
Im Herzen einer strenggläubigen und frommen jüdischen Familie aufgewachsen, erlebt Andor Izsák die Berufung zur Musik als Leitstern und Konstante seines Lebens. Glaube und Musik führen ihn zur Wiederentdeckung der großen synagogalen Musik des 19. Jahrhunderts, und so wird es fortan seine Mission, dem jüdischen Gottesdienst diese Musik mit dem vollen Klang der Orgel zurückzugeben. In Deutschland, Hannover, kommt er schließlich seinem Ziel sehr nahe.
Leidvolles und Freudvolles berühren uns in diesen Erinnerungen, die aus dem Blickwinkel des Biographierten, in knappem, humorvollem, kurz: hinreißendem Stil festgehalten sind.

“Der alte Grünstein stellte eine Bedingung. Wenn er schon keinen ordentlichen Beruf hatte, dann musste László wenigstens beten lernen, und zwar richtig. Auf Hebräisch. Der Bräutigam sagte zu und hielt Wort. Vilmos auch. Er gab seinen Segen zu der Hochzeit”. 
„In der Stimme des Kantors hörte Andor die reine Schönheit und den tiefen Glauben. Der Gesang erreichte seine Seele und sein Innerstes öffnete sich. Das konnte kein Gebet, kein Gesetz und keine Vorschrift erreichen. Dann, und nur dann, fühlte er sich dem mit Abraham geschlossenen göttlichen Bund wirklich zugehörig. Die Stimme verströmte jene vollkommene Harmonie, die auf Erden einen Halt bot, der in den weltlichen Geschäften nicht zu finden war. Auch nicht in den Künsten.“ 
„Einmal aber konnte sie doch überredet werden und kam mit. Während ihr Sohn spielte, saß sie in seiner Nähe. 
Andor war voll konzentriert, der Kantor hub gerade zum »Amen« an, als Izabella versehentlich auf ein Pedal trat. Laut und durchdringend zischte der Ton der Orgel durch das riesige Gebäude. Die Gemeinde zuckte zusammen. Der Kantor begann von neuem. Kurz vor dem »Amen« hielt er inne: »Jetzt aber wirklich!«, kommandierte er. Andor griff in die Tasten.“

www.olms.de


Zuletzt bearbeitet: 14.09.2012Zum SeitenanfangZum Seitenanfang
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